Berlin 2011

Es ist Freitagmorgen 5.00 Uhr, als 47 schwer bewaffnete Grün-Weisse Husaren am Neutor in Linz den Mannschafts-Bus besteigen. Es geht mal wieder ins Manöver, denn  die militärischen Fertigkeiten der Kameraden wollen in regelmäßigen Abständen geschult werden. Ziel ist dieses Mal die Bundeshauptstadt Berlin, wo man die karnevalistischen Truppen der Ehrengarde Grün-Weiß-Rot Berlin verstärken soll im Kampf gegen die karnevalistische Ignoranz des preußischen Proletariats.

Im Stile der berühmtesten gallischen Kriegshelden Asterix und Obelix nahmen die Truppen bereits kurz nach dem Aufbruch erste Flaschen des wichtigen Zaubertranks zu sich. Das in einer Kölner Brauerei hergestellte Gebräu belebte schnell Körper und Geist und so stieg die Stimmung an Bord rasch in der Vorfreude des nahenden Gefechts. Die erste Wegesrast mit kurzem Biwak erfolgte nach vier Stunden und nachdem sich die Truppe mit Brötchen und Fleischwurst ausreichend gestärkt hatte ging die Fahrt weiter.

In Berlin-Moabit bezog das Corps dann Quartier für die nächsten drei Tage. In dem nagelneuen Hotel Moa-Berlin lud die Hotelbar schnell dazu ein, die Reisestrapazen mit einem hellen Gerstensaft abzuspülen. Die Corpsführung unter Kommandant Nihat Kökce hatte sich gegen eine Kaserne mit Stockbetten und statt dessen für Komfortzimmer entschieden, um die Moral der Truppe zu stärken. Pünktlich zum Abmarsch ins erste Gefecht erschienen dann alle Husaren in blitzsauberen Uniformen. Die ebenfalls im Hotel einquartierten Zivilisten wussten zunächst nichts mit den grün gewandeten Husaren anzufangen, gewöhnten sich jedoch recht
schnell an den lautstark parlierenden Haufen.

Der erste Gefechtseinsatz des Wochenendes fand dann unmittelbar in Regierungsviertel Berlins statt. Mit Trommel- und Fanfarenklängen zog das Corps durch die Straßen Berlins und machte vor der Ständigen Vertretung des Rheinlandes (StäV) halt. Schnell wurde die Lokalität besetzt und die anwesenden Gäste verhört. Es soll auch vereinzelt zu Leibesvisitationen gekommen sein. Ebenfalls gekommen war Erwin Rüddel (MdB), der mit einer gekonnten Rede den Kampfesmut seiner rheinischen Streitkräfte weiter anstachelte. Es erfolgten Auszeichnungen und militärische Ehren, während im Kreise der Kameraden der Geburtstag des aktiven Husaren Alexander Nowak gefeiert wurde. Die zivile Bevölkerung, teilweise Besucher der gleichzeitig stattfindenden Fashion Week, zeigte reges Interesse an den militärischen Ritualen der Husaren. Anders als in anderen Krisenregionen der Welt gelang den karnevalistischen Truppen problemlos der Schulterschluss mit der Bevölkerung
und gemeinsam wurde Fässerweise Zaubertrank genossen.

Am folgenden Morgen kam es kurzzeitig zu einem Versorgungsnotstand, als der Brötchennachschub beim Frühstück abzureißen drohte. Doch dank des beherzten Einsatzes des Kommandanten konnte die Truppenverpflegung wiederhergestellt werden. Anschließend erfolgte ein Erkundungsfahrt kreuz und quer durch das Manövergebiet. Politische und strategische Ziele wurden ausgekundschaftet und das Corps erhielt eine Schulung in politischer und kultureller Geschichte der Hauptstadt. Zum Abschluss besichtigte die Truppe den Berliner Reichstag, immer bereit, mit dem eigenen Blut das Parlamentsgebäude gegen herannahende Feinde zu verteidigen. Vor diesem Hintergrund machte dann auch die Frage eines einzelnen Kameraden Sinn, der sich im Anschluss an den informativen Vortrag über die
Zusammensetzung und Arbeitsweise des Parlaments erkundigte: „Gibt es hier auch einen Atombunker?“ 

Zum Abend rüstete sich dann das Corps für den entscheidenden Angriff. Unter voller Bewaffnung verbrüderte man sich mit dem doch eher kleinen Trupp der Berliner Ehrengarde. In der Universal Hall von Berlin fand deren Karnevalssitzung unter Mitwirkung von insgesamt 9 Berliner Gesellschaften sowie einer weiteren befreundeten Gesellschaft aus Erlangen statt. Im Rahmen dieser Sitzung hatte das Husarencorps einen grandiosen Auftritt und demonstrierte eindrucksvoll die karnevalistische Kraft des rheinischen Fastelovends. Musikzug, Tanzpaar und Männertanzgruppe beeindruckten die etwa 400-500 Anwesenden, die den Vortrag mit Zugaberufen quittierten. Vor allem die Leistung und Ausstrahlung von Tanzmariechen Sarah Korf wurde immer wieder bewundert. Und auch mit dem Durchhaltevermögen beeindruckten die Husaren. Kölsches Liedgut wurde in trauter Runde an der Theke zum besten gegeben, sogar nachdem die Veranstaltung längst beendet war. So endete die grün-grün-weiße Invasion dann auch erst in den frühen Morgenstunden.

Am Sonntagmorgen wurde dann im Vereinslokal der Ehrengarde nochmals Rückschau auf die vergangenen Ereignisse gehalten. Die Truppen aus Berlin, Erlangen und Linz füllten die Gaststätte vollkommen aus und überforderten mit ihrem inzwischen ja fleißig trainierten Bierdurst das Personal des Lokals vollkommen. So fiel dann der Frühschoppen deutlich moderater aus als die beiden vorherigen Tage und nach einem herzlichen Abschied bestiegen die Husaren wieder ihren Mannschaftsbus, um sich auf die Heimreise zu machen.

Ohne weitere Zwischenfälle erreichte man die Bunte Stadt am Rhein in den Abendstunden, wo die Husaren bereits von ihren Frauen sehnsüchtig erwartet wurden. Insgesamt waren sich alle einig:
es war ein tolles Manöver und Berlin ist immer eine Reise wert.

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